Technische Details zu meiner Yamaha TZ 250

Die technischen Details und die Historie von einem Rennmotorrad sind interessant, besonders wenn das Motorrad alt ist. Besitzt man einen Oldtimer, dann will man wissen, welche Geschichte er zu erzählen hat. Mir macht Motorradarchäologie genauso viel Spaß wie schrauben und fahren. Deshalb findest du hier, was ich über mein Motorrad bisher herausgefunden habe.

So habe ich sie gekauft, als Yamaha TZ 250 1RK 59W. Ich hatte keine Ahnung, was das bedeutet, aber ich war begeistert.

Ich wollte:

  1. einen Zweitakter,
  2. eine Yamaha,
  3. einen wassergekühlten Zweizylinder,
  4. einen Rohrrahmen,
  5. Speichenräder
  6. und am liebsten einen Drehschiebermotor.

Ok, Drehschiebermotor hat sie nicht und auch keine Speichenräder. Aber die Räder kann man einfach wechseln und ein Membraneinlass ist auch nicht schlecht. Yamaha’s mit Drehschiebermotor sind sehr selten, sowas zu bekommen, darauf brauche ich wohl nicht zu hoffen.

Yamaha TZ – ein Production Racer

Nachdem sie nun in meiner Garage steht, fange ich an mich in die Materie einzuarbeiten.

Die Yamaha TZ ist ein sogenannter „Production Racer“ und damit gehört sie einer Spezies an, die ich faszinierend finde.

Wie in vielen Sportarten, gibt es auch im Motorsport eine Breiten- und eine Spitzensportausprägung. Der „Motorsport für Jedermann“ hat zur Voraussetzung, dass sich eine große Menge an Interessierten das Sportgerät, sprich – das Motorrad – leisten können. Es sind käufliche Straßenmotorräder, die für den Rennsport angepasst werden. Gefahren wurden sie früher in den Clubsportklassen, heute in den Markenpokalen (z.B. Yamaha R6 Cup).

Im Spitzensport werden sündhaft teuere Prototypen eingesetzt, die als Einzelexemplare nur professionellen Fahrern zur Verfügung gestellt werden.

Die Kategorie der Production Racer ermöglichte es Fahrern ohne Millionen Budget in der obersten Klasse mitzufahren und sich mit den ganz Großen messen. Es waren die Motorradhersteller aus Japan (Yamaha, Suzuki und Kawasaki), welche die Chance erkannten, die Fahrerfelder größer und den Rennsport interessanter zu machen, indem sie eine größere Anzahl von Rennmotorrädern herstellten und frei verkäuflich anboten. Ein genialer Marketingschachzug.

Meine Yamaha TZ ist so ein Production Racer. Eine echte, kompromisslose Rennmaschine zu einem Preis, den auch ich mir leisten kann.

Der Startpunkt für meine Suche ist die kryptische Bezeichnung 1RK 59W. Ich weiß, dass die 3stelligen Zahlen-Buchstabenkombinationen die Modellbezeichnung ist. Ich kenne das von meiner TRX 850, die hat die Modellbezeichung 4UN.

Yamaha TZ250 H / J / L / N / S / T

Bei der TZ hat Yamaha hinter dem Typnamen TZ250 noch einen Buchstaben gesetzt, der das Baujahr kennzeichnet, damit hat jedes Modell zwei Bezeichnungen, die es dem Baujahr zuordnen. Den Model-Code und die Typbezeichnung.

In der Verkaufsanzeige für mein Motorrad stehen also zwei Model-Code. Was hat das zu bedeuten?

Es ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Soweit ich das beurteilen kann, besteht das Motorrad aus einer Kombination von Teilen aus den Baujahren 1982 bis 1987.

Natürlich habe ich versucht herauszufinden, worin die Unterschiede zwischen den verschiedenen Modellen bestehen. Das habe ich gelernt:

1981 TZ 250H / 1982 TZ 250J beide 5F7

Während die TZ’s bis 1979 einen Motor mit einem einteiligen Zylinderblock hatten, der sehr eng mit dem des Serienmotorrades verwand war, bekam die TZ250H erstmals einen eigens für die Rennmaschine konstruierten Motor mit zwei Einzelzylindern. Der Motor besaß einen Mikuni Rundschieber Vergaser VM 36, Schlitzsteuerung für den Einlass und eine mechanisch geregelte Auslasssteuerung über einen Walzendrehschieber. Der Model-Code ist 5F7. Sie hatte einen Rohrrahmen und Scheibenbremsen vorn und hinten.

1983 TZ 250K 26J / 1984 TZ 250L 49V

Der Motor war weiterhin schlitzgesteuert, der Vergaser wuchs um 2mm (Mikuni VM 38) und die Auslasssteuerung erfolgte elektronisch mittels Elektromotor und Bowdenzügen. Am Fahrgestell wurde der Hinterradbremssattel nicht mehr an der Schwinge abgestützt, sondern war drehbar auf der Hinterachse mit Zugstrebe zum Rahmen montiert.

1985 TZ 250N 59W

Die wesentliche Veränderung im Jahr 1985 bestand im Membraneinlass des Motors, die Auslasssteuerung erfolgte nun mit flachen Schiebern. Äußerlich war das Modell 59W an der roten Rahmenfarbe zu erkennen.

1986 TZ 250S 1RK / 1987 TZ 250T 2KM

Im Jahr 1986 kam ein komplett neues Fahrwerk, es begann die Zeit der Aluminium – Deltaboxrahmen. Das lange, waagerecht liegende Federbein an der Hinterradschwinge wurde durch ein kürzeres, senkrecht stehendes abgelöst. Das Vorderrad bekam eine größere und leistungsstärkere Bremse. Während der Motor der 1RK noch die VM 38 Rundschiebervergaser hatte, war der Motor der 2KM mit Mikuni Flachschiebervergasern bestückt.

Das wissend, hätte richtigerweise in der Verkaufsanzeige für mein Motorrad Yamaha TZ 250 5F7 2KM stehen müssen. Damit wäre die Zeitspanne beschrieben, in der sie vermutlich eingesetzt wurde. Es war ja üblich, dass Rennmaschschinen über mehrere Jahre gefahren und dabei immer wieder modernisiert wurden.

Das Fahrwerk der Yamaha TZ 250

Rahmennummer Modell 5F7

Das Motorrad hat einen roten Rahmen mit der Fahrgestellnummer 5F7-010 250. Diese Fahrgestellnummer passt in den Nummernbereich von 1982 (beginnt mit 5F7-010 101), es ist also ein Rahmen der TZ250J. Interessant finde ich die Nummer 250. Ist es Zufall, dass meine TZ250 die Rahmennummer 250 hat?

Der Originalrahmen der 5F7 war schwarz und unter dem roten Lack kommt an einigen Scheuerstellen in der Tat auch schwarzer Lack zum Vorschein. Im Bereich der Fußrasten wurde der Rahmen geschweißt und mit etwas hellerem, rotem Lack ausgebessert. Das sagt mir, dass der Rahmen in der überlackierten roten Farbe auch wirklich gefahren wurde.

Passend zum Rahmen müssen dann auch konsequenterweise der Tank und der Sitz von der 5F7 stammen. Beiden haben eine schöne Patina. Der Tank ist original Aluminium, er wurde überlackiert, wobei der Yamaha Schriftzug abgeklebt wurde. Seitlich im Bereich vom Knieschluss ist der neue Lack abgescheuert und der originale weiße Lack kommt wieder zum Vorschein.

Am Sitz findet sich eine Hostettler Aufkleber. Hostettler ist der Yamaha Importeur in der Schweiz. Der Aufkleber könnte daraufhin deuten, dass das Motorrad von Hostettler importiert wurde. Angeblich hat mein Verkäufer das Motorrad aus einer Sammlung in der Schweiz gekauft. An der Stelle gibt es noch einiges auszuforschen.

Der letzte Fahrer scheint etwas größer gewesen zu sein, da er eine zweite Lage Moosgummi auf den Sitz geklebt hat.

Die Hinterradschwinge besitzt die Anlenkung für das waagerecht liegende große Federbein der Rohrrahmenmodelle, allerdings hat sie keine Befestigung für den Bremssattel. Der Bremssattel hängt an einem eigenen Halter auf der Hinterachse und stützt sich über eine Zugstrebe vorn am Rahmen ab. Diese Ausführung wurde an der TZ250 L und N verwendet.

Die goldenen 18 Zoll Marvic Magnesiumräder sind heute nicht mehr einfach zu bekommen und gutes Geld wert. Für mich sieht das Motorrad mit diesen Rädern zu modern aus. Ich mag lieber klassische Speichenräder. Also habe ich versucht welche zu bekommen.

Der erste Versuch Speichenräder zu kaufen bestand darin, dem Verkäufer des Motorrades die Räder abzuschwatzen , die er mir gezeigt hat, als ich ihn nach Speichenrädern gefragt habe. Es ist mir aber nicht gelungen, er hat sie einfach nicht rausgerückt.

Der zweite Versuch scheiterte daran, dass der italienische Verkäufer aus dem Internet nicht in der Lage war eine Paypalbezahlung entgegen zu nehmen. Einfach mal so Geld nach Italien zu überweisen, das wollte ich nicht machen. Obwohl der Verkäufer durchaus einen vertrauenswerten Eindruck gemacht hat, war mir das zu riskant. Ist ja eine ordentliche Summe, die solche Räder heute kosten.

Der dritte Versuch hat schlussendlich funktioniert. Ein Verkäufer in Deutschland, von dem ich später noch einige andere Teile gekauft habe, hat mir die Räder, wunderschön in Holzkisten verpackt, zugeschickt. Ich war im Glück! Schöne originale DID Felgen, gebraucht aber in sehr gutem Zustand. Genau so hatte ich es mir vorgestellt. Jetzt noch neue Reifen drauf und das Motorrad sieht schon viel mehr nach meinen Vorstellungen aus.

Bleibt noch die Frage nach der Bremse. Vierkolbenbremssattel und 260er Bremsscheibe ordne ich dem Modellen TZ 250S und T zu, also den Jahren 1986/87. Mit dem Brembo Goldline Bremssattel würde ich, so die Antwort auf meine Anfrage, in der VfV DHM in die Klasse A von Baujahr 1984 bis 1993 eingestuft. Das will ich aber nicht.

  1. Ich möchte gern die grüne Nummerntafel der 250er Klasse behalten, die in der DHM der Klasse R von 1974 bis 1983 vorbehalten ist.
  2. Die Klasse A repräsentiert die Zeit der Alu-Deltabox-Rahmen, da gehört das Motorrad nicht hin.

Also habe ich original Yamaha Zweikolbensättel gekauft. Sie stammen vom Straßenmotorrad und sind relativ kostengünstig zu bekommen, also kaufte ich mir gleich in Paar. Vielleicht will ich ja mal auf zwei Vorderradbremsen umbauen.

Die Bremssättel sind gebraucht, deshalb nehme ich sie erstmal auseinander und stelle fest, dass die Kolben Schrott sind. Weil es Serienausstattung ist, bekomme ich aber ohne Problem neue Kolben und Dichtungen.

Ich ergattere auch noch eine originale, neue Bremsscheibe (NOS) bei Theo Louwes Motors. Leider schweineteuer, aber so ist es halt. Wenn es mal zwei Bremsen werden sollen, dann muss die zweite Bremsscheibe aber billiger sein, sonst mache ich es nicht.

Die Verkleidung der Yamaha TZ 250

Als nächstes ist zu klären, von welchem Modell die Rennverkleidung stammt. Auch sie hat sehr schöne Patina und ist zweifelsfrei echt. An der rechten Seite klebt ein Aufkleber von den Bikers Classics in Spa Francorchamps. Also liegt die Vermutung nahe, dass sie da im Rahmen einer Veranstaltung gefahren wurde.

Anfangs bin ich etwas ratlos, weil ich im Internets Bilder von TZ’s mit schwarzem und rotem Rahmen in Verbindung mit verschiedenen Verkleidungen gefunden habe. Inzwischen habe ich Bedienungsanleitungen von verschiedenen Modellen bekommen, die Klarheit schaffen. Die darin abgedruckten Bilder zeigen die Verkleidung mit den seitlichen Kiemen, die an meinem Motorrad montiert ist, an der TZ 250 T, während die Verkleidung an der TZ 250 L ganz anders aussieht.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es irgendwie schaffen werde, das Motorrad in den Kies zu legen. Wäre die schöne, alte Verkleidung kaputt, würde es mir das Herz brechen. Deshalb werde ich mir eine neue Verkleidung kaufen, die ich zum Fahren anbaue. Sollte ich die Art Verkleidung kaufen, die heute am Motorrad montiert ist oder lieber die von der TZ 250L ? Das ist eine schwierige Entscheidung, mit der ich sicherlich noch eine Zeit schwanger gehen werde. Was würdest du mir empfehlen?

Der Motor – Model 1RK 2KM

Kommt es zum Motor, ist die erste, spannende Frage: „Springt sie an?“

Ja, sie ist angesprungen. Mein Sohn hat mich einige Male die Straße rauf und runter angeschoben. Erst sah es hoffnungslos aus, doch dann ist sie angesprungen. Sie hat geraucht, wie eine alte Dampfmaschine, aber sie ist angesprungen!

An der Stelle, an der die Motornummer eingeschlagen sein sollte, ist eine A1 eingeschlagen und mit Filzstift 2KM dahinter geschrieben. An den Zylindern ist seitlich 2KM eingegossen. Es handelt sich somit wohl um einen 2KM – Motor mit 1RK Vergasern.

Nach dem Abnehmen der Zylinderköpfe zeigen sich makellose Zylinderlaufbahnen. Der Motor ist definitiv neu überholt. Die Kolbenböden haben fast überhaupt keinen Ölkohlebelag. Dieser Motor ist fast noch gar nicht gelaufen. Das ist ja mal eine gute Nachricht.

Kennst du mein Motorrad?

Ich bin sicher, dass mir einige Leser von diesem Blog etwas Wissenswertes über mein Motorrad erzählen können. Kennt vielleicht sogar jemand mein Motorrad oder weiß etwas über seine Historie?

Wenn du etwas weißt, dann wäre es wirklich Klasse, wenn du es mir schreiben würdest!

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