Das erste Mal mit dem Motorrad auf einer Rennstrecke!

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, mit einem Motorrad auf einer Rennstrecke zu fahren? Dann will ich dir hier aus eigener Erfahrung einige Tips geben, damit dein „erstes Mal“ dir richtig Spaß macht.

Was ist dein Ziel?

  • Spaß am schnellen fahren auf einer sicheren Straße zu haben?
  • Dein Fahrkönnen zu verbessern?
  • Nach einem Sturz das Selbstvertrauen wieder aufzubauen?
  • Möchtest du vielleicht später Rennen fahren?

Das sind die Gründe, die ich von den meisten Teilnehmern von Motorradtrainings gehört habe. Ist dein Grund nicht dabei? Dann schreib ihn mir bitte unten in den Kommentar. Es würde mich interessieren.

Ich habe mich für ein Motorradtraining entschieden, nachdem ich mir die Oldtimerrennmaschine gekauft habe. (Die Geschichte findest du hier.) Ich will das Motorrad ja artgerecht bewegen und das geht nun mal nur auf einer Rennstrecke. Um mich darauf vorzubereiten werde ich mich mit meinem Straßenmotorrad zu einem Rennstreckentrainung anmelden.

Aber warum bin ich eigentlich nicht schon eher auf die Idee gekommen mit meiner Yamaha TRX850 auf eine Rennstrecke zu gehen?

Ich glaube ich habe es mir einfach nicht zugetraut, obwohl ich immer schon sportliche Motorräder und einen sportlichen Fahrstil geliebt habe. Und ich habe immer noch Respekt, wenn ich früh im Fahrerlager ankomme, all die Rennmaschinen sehe und die schnellen Fahrer die Start/Zielgerade runter gedonnert kommen. Wenn es dann aber losgeht, dann bleibt nur noch der blanke Genuß übrig. Es ist einfach eine ganz andere Art des Motorradfahrens im Vergleich zum öffentlichen Straßenverkehr.

Hier erzähle ich dir, was ich bisher über Rennstreckentrainings gelernt habe. Es sind meine ganz persönlichen Erfahrungen, die ganz erheblich von meinem Typ abhängen. Du musst also selbst beurteilen, was für dich funktioniert oder was du anders machen willst.

Auswahl der Veranstaltung

Für mich war von Anfang an klar, dass ich ein instruiertes Training buchen wollte. Ich wollte das Fahren auf einer Rennstrecke von jemandem gezeigt bekommen, der weiß wie es geht. Ein Instruktorentraining ist zwar erheblich teuerer als freies fahren, lohnt sich aber nach meiner Einschätzung am Anfang definitiv. Ich habe eine ganze Reihe von Instruktor geführten Trainings absolviert und hatte von mal zu mal immer noch das Gefühl etwas dazu zu lernen.

Die unterschiedlichen Veranstaltungstypen und Strecken

Suchst du auf den Webseiten der Veranstalter von Rennstreckentrainings nach der richtigen Veranstaltungsart für dich, dann wirst du feststellen, dass es schwer ist die verschiedenen Trainings zu vergleichen. Jeder benennt seine Veranstaltung etwas anders, obwohl der Ablauf dann doch sehr ähnlich ist.

Ich habe drei Kategorien gefunden, in die ich die Trainings einteile.

1. Fahrsicherheitstraining, Basistraining, Schräglagentraining, Kurvenschule

Diese Gruppe von Veranstaltungen ist in erster Linie für Fahrer konzipiert, die an ihrem Fahrkönnen arbeiten wollen, um im öffentlichen Straßenverkehr sicherer unterwegs zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass sie für Rennstreckenambitionen ungeeignet sind. Ich gebe zu, dass ich diese Veranstaltungsart zu geringgeschätzt habe. Ich dachte mir, ich fahre ja schon fast 40 Jahre Motorrad, bremsen und Kurven fahren, das kann ich schon. Daher habe mich gleich für ein Sportfahrertraining auf dem Sachsenring angemeldet und mußte erkennen, dass mich diese Veranstaltung überfordert.

Folgerichtig habe ich mich als nächstes für eine Kurvenschule beim Motorrad Action Team auf dem Bosch Prüfzentrum Boxberg angemeldet. Das hat mir dann so viel Spaß gemacht, dass ich mich im Folgejahr gleich nochmal angemeldet habe. Bei der Veranstaltung hatte ich dann auch endlich meinen ersten Knieschleifer!

Diese Veranstaltungen beinhalten unterschiedliche Übungen von Fahrmanövern wie Kreisbahn fahren zum Schräglage üben, Bremsmanöver z.B. hartes bremsen bis zum Stand oder das herein bremsen in Kurven und natürlich den Slalom. In der Regel gibt es auch einen Schräglagentrainer, ein Motorrad mit Stützrädern, mit dem man gefahrlos Schräglagen austesten kann.

Diese Übungen geben dir die Gelegenheit dich auf eine Sache zu konzentrieren und die Techniken gezielt und isoliert einzuüben.

Sehr viel Spaß machen die Handlingskurse. Diese Veranstaltungen finden überwiegend auf Versuchs- oder Testgeländen statt. Beispiele dafür sind das Bosch Prüfzentrum Boxberg, das LUK Driving Center Baden-Baden oder das Driving Center Groß Dölln. Die Strecken sind kurz und haben viele Kurven. Aus diesem Grund sind sie relativ langsam und bieten eine gute Gelegenheit sich bei relativ moderaten Geschwindigkeiten in der Kurvenfahrtechnik zu üben, bevor es auf einer richtigen Rennstrecke deutlich schneller zugeht.

Ich habe mir bei diesen Veranstaltungen die Lockerheit wieder antrainiert und aufgehört gegen das Motorrad zu kämpfen, sondern es laufen zu lassen. Mein größtes Problem, welches mir das erste Training auf dem Sachsenring zur Qual gemacht hat.

Es gibt natürlich auch Basistrainings und Kurvenschulen auf Rennstrecken wie dem Bilster Berg, Hockenheim, Oschersleben usw.

Meine dritte Veranstaltung war eine solche Kurvenschule auf dem Hockenheimring. Die hat super Spaß gemacht, die Strecke ist sehr übersichtlich und hat keine blinden Kurven. In der langsamen Gruppe war dieser Kurs für mich sehr gut zu beherrschen. Hier mal Bilder zum Vergleich: einmal Hockenheimring 2018 in der langsamsten Gruppe und dann 2019 in der schnellsten Gruppe.

2. Perfektionstraining, Sportfahrertraining

Diese Trainingsart schult das Rennstreckenfahren auf richtigen Rennstrecken. Hier geht es darum die richtige Linie zu erkennen und zu fahren. Du lernst anhand von Markierungspunkten an der Strecke konsistent die richtigen Brems- und Einlenkpunkte zu setzen und die richtige, perfekte Linie zu fahren.

Ich habe bei diesen Veranstaltungen gelernt, wie es sich anfühlt große Schräglage mit hoher Geschwindigkeit zu fahren.

Diese Trainings gibt es sowohl als Instruktortraining mit kleinen Gruppen um die 5 Mann, als auch als freies Fahren. Einige Veranstalter bieten auch Einzelinstruktionen an.

Der Bilster Berg bei Bad Driburg war für mich bisher die schwerste und herausforderndste Strecke. Es gibt extrem viele blinde Kurven, du siehst am Kurveneingang nicht, wo es hingeht. Du musst wirklich anhand von Streckenmarkierungen die Einlenk- und Scheitelpunkte finden. Dazu kommen starke Höhenunterschiede. In der berühmten Mausefalle verschwindet die Strecke schräg unten im Wald, während du bei der Ausfahrt aus der Mausefalle nur den Himmel siehst und du den Verlauf der folgenden Rechtskurve erahnen musst. Im ersten Jahr dachte ich am ersten Tag, ich sollte lieber einpacken und gehen. Am zweiten Tag ging es schon wesentlich besser und als ich ein Jahr später zurück gekommen bin, wollte ich am liebsten überhaupt nicht mehr nach Hause fahren.

„Mausefalle“ am Bilster Berg 2018
copyright RacePixx.com

3. Renntraining, Hobbyrace

Über diese Veranstaltungen kann ich aus eigener Erfahrung nichts sagen. Naja, zugesehen habe ich natürlich schon, denn es findet ja im Rahmen der gleichen Veranstaltungen statt, bei denen ich gefahren bin.

Hier fahren die Fahrer, die es wirklich können. Hier wird an den Feinheiten der Fahrtechnik und Rennlinie gefeilt. Die Rundenzeiten liegen auf einem Niveau, mit dem man sich mindestens schon mal in den regionalen Meisterschaften sehen lassen kann. Das ist nichts für Einsteiger.

Auch hier gibt es üblicherweise Gruppeneinteilungen für die verschiedenen Geschwindigkeitslevel. Am Ende der Veranstaltung steht meistens ein Rennen, welches von einigen Veranstaltern sogar als eine Rennserie mit einer Meisterschaftswertung geführt wird.

Vorteile eines instruierten Trainings

Sicherheit bei hoher Geschwindigkeit

Natürlich wird auf der Rennstrecke schneller gefahren als im Straßenverkehr. Für mich war die zentrale Frage: Wie schnell geht? Die Antwort lautete am Anfang: Viel schneller als ich für möglich gehalten habe!

Wenn man hinter einem Instruktor fährt, dann weiß man: Wenn es bei ihm geht, dann kann es nicht zu schnell sein.

Das gibt Sicherheit wenn das Tempo immer weiter steigt, gerade am Anfang, wenn noch viel Luft zum Limit ist. Die Instruktoren adaptieren ihre Geschwindigkeit an die Fähigkeit der Gruppe und damit am jeweils langsamsten Fahrer in der Gruppe. Sie fahren ein Tempo, bei dem der langsamste Fahrer gerade noch so dranbleibt und ziehen ihn so zu immer höherem Speed, so dass die Gruppe von Turn zu Turn immer schneller wird.

Für mich war es beeindruckend zu erleben, wie die Instruktoren ganz locker im Rückspiegel die Gruppe beobachten und am Ende ganz spezifisches Feedback geben, während ich das Gefühl hatte, die ganze Zeit am absoluten Limit zu sein und nirgendwo anders als auf die Strecken schauen zu können.

Für mich hat eine konservative Wahl der Gruppe gut funktioniert. Das heißt ich habe bei der Anmeldung meinen Fahrstil etwas langsamer eingestuft, als ich mich selbst eingeschätzt habe. War ich in einer Gruppe mit deutlich schnelleren Fahrern, dann war ich so am kämpfen, dass ich keine Zeit hatte darauf zu achten, was ich richtig, bzw. anders machen wollte. Das Fahren in Gruppen mit langsameren Fahrern bietet demgegenüber die Möglichkeit Verschiedenes bewußt auszuprobieren und Verhaltensweisen einzutrainieren und zu festigen.

Übrigens. Die Veranstalter sagen, sie beobachten die Gruppen und ordnen die Teilnehmer der passenden Gruppe zu. Das entspricht nicht meiner Erfahrung. Es funktioniert meistens, wenn ein Fahrer extrem viel langsamer als die Gruppe ist. In allen anderen Fällen, musste ich mehrfach nachfragen, um die Gruppe wechseln zu dürfen. Also kann ich nur empfehlen, sei hartnäckig, wenn du das Gefühl hast, die Gruppe passt nicht.

Die richtige Linie gezeigt bekommen

Eine Rennstrecke ist sehr breit und der Verkehr fährt nur in einer Richtung. Das eröffnet die Möglichkeiten diese Straße auch vollständig auszunutzen.

Für den Erstling ist es schwer, die Richtige der vielen Möglichkeiten herauszufinden. Wenn man jemandem hinterher fahren kann, der die richtige Linie kennt, dann ist es am einfachsten sich den Blick für die richtige Linie zu erarbeiten. Solche Fahrer gibt es natürlich viele, das Problem ist nur, dass die in den schnellen Gruppen fahren und der Anfänger bei denen nicht lange dran bleiben kann. In den langsamen Anfängergruppen sind dafür häufig diejenigen unterwegs, die selbst noch nach der Linie suchen.

Die Kunst des schnellen Fahrens besteht zu einem ganz wesentlichen Teil darin, die richtige Linie durch eine Kurve zu fahren. Tut man das nicht, dann ist man entweder zu langsam und ärgert sich, dass die anderen nur so vorbeifliegen, oder es geht am Ender der Kurve „die Straße aus“. Das bedeutet, man landet im Kiesbett.

Ich denke immer wieder an die Worte eines Instruktors, der sagte: „Ich fahre erst schneller, wenn ich sehe, dass ihr mir genau hinterher fahrt.“ Und er hat Recht. Er will ja am Ende des Turns noch alle seine Schäfchen beisammen haben. Auf der falschen Linie schnell fahren, ist gefährlich.

Hier siehst du einige Bilder von instruierten Trainings aus 3 aufeinanderfolgenden Jahren. Du kannst sehr gut sehen, wie ich mich gesteigert habe und dass die Perlenkette gar nicht so einfach zu fahren ist. Es ist häufig etwas Versatz in der Linie der Fahrer zu sehen. Übrigens, ich bin jeweils der Fahrer mit dem roten Motorrad.

Mir hat es sehr geholfen, wenn der Instruktor zwischen den Turns genau erklärt hat, an welcher Stelle ich einlenken und auf welche Punkte an der Strecke ich mich konzentrieren muss. Im nächsten Turn kann man dann das gelernte Wissen ausprobieren und einüben.

Das Erklären ist wichtig, denn die richtige Linie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine „zuziehende Kurve“ fährt man anders als eine Spitzkehre, ein Omega oder eine Schikane. Die Streckenbeschaffenheit spielt eine Rolle und der gute Fahrer macht bei der Linie durch eine einzelne Kurve einen Kompromiss, wenn das die Positionierung für die folgende Kurve verbessert. Diese Feinheiten muss man am Anfang erklärt bekommen, bis man so viel geübt hat, dass man es selbst erkennt.

Ein weiterer Punkt ist die Möglichkeit Feedback darüber zu bekommen, welche Linie du wirklich gefahren bist. Du wirst erleben, dass dein Motorrad einfach nicht da langfahren will, wo du willst. Zum Beispiel, du kommst einfach nicht ran an den Kurvenscheitelpunkt, obwohl du es hart versuchst. Der Instruktor wird dir Tips geben, was du falsch machst, in deiner Haltung, in deiner Blickführung oder was da sonst noch der Grund sein kann.

Für mich war es zum Beispiel lange schwierig mit den Rädern eng an die Curbs im Scheitelpunkt zu fahren, weil ich bei großer Schräglage mit dem Kopf am Scheitelpunkt war und nicht mit dem Rad. Ich musste erst lernen, wie ich es schaffe den Kopf schon außerhalb der Strecke zu haben, damit die Räder den Curb treffen.

Du kannst dir das zwar alles auch selbst erarbeiten, gerade als Neuling auf der Rennstrecke, ist es aber viel effizienter und sicherer, wenn du Hilfe und Beispiel bekommst.

Eignung und Vorbereitung des Motorrades

Das Motorrad auf die Rennstrecke vorbereiten.

Zu meiner ersten Veranstaltung auf dem Sachsenring bin ich mit meiner Yamaha TRX 850 angereist. Meine gute alte Trixie. Sie ist ja ein sportliches Motorrad und wird auch heute noch bei Classic Race Veranstaltungen auf der Rennstrecke gesehen. Die sollte doch wohl geeignet sein.

Yamaha TRX 850

Der Veranstalter hatte in seiner Ausschreibung folgende Fahrzeugvorbereitung gefordert:

  • Scheinwerfer und Rücklicht abkleben
  • Blinker abbauen oder abkleben
  • Spiegel abbauen oder abkleben
  • Kennzeichen abbauen oder abkleben

Richtige Rennmotorräder haben das alles gar nicht angebaut, das hat seinen Grund.

  • Im Falle eines Sturzes sollen keine Splitter auf der Strecke zurückbleiben.
  • Der Spiegel wird abgeklebt, weil der Fahrer nicht nach hinten, sondern nur nach vorne sehen soll. So ist die Linie für schnellere Fahrer berechenbar. Der schnellere Fahrer, der von hinter kommt, ist für einen sicheren Überholvorgang verantwortlich. Dafür muss er sich aber darauf verlassen können, dass der zu überholende Fahrer seiner Linie treu bleibt und nicht auf einmal woanders lang fährt, um die Strecke frei zu machen. Das könnte Missverständnisse und Unfälle geben.
  • Das Bremslicht soll nicht zu sehen sein, damit der folgende Fahrer nicht verunsichert wird.

Bei den Einsteigerveranstaltungen verzichten die Veranstalter häufig auf diese Maßnahmen.

Das Motorrad muß auf jeden Fall in einem technisch einwandfreien Zustand sein. Auch das habe ich natürlich bei der Trixie überprüft.

Die Reifen dürfen nicht zu weit abgefahren sein. Der Reifenverschleiß auf der Rennstrecke ist deutlich höher als auf der Straße, es muss noch soviel Verschleißvolumen da sein, dass man nicht während der Veranstaltung unters Limit kommt und der Reifen seine Haftungseigenschaften verliert.

Bei meinen Reifen war noch ungefähr die Hälfte drauf, deshalb habe ich keine neuen Reifen montiert. Das war ein Fehler.

Durch das Fahren auf der Straße waren die Reifen in der Mitte platt gefahren und im Übergang zur Reifenflanke hatte sich eine Kante gebildet. Beim Übergang in eine größere Schräglage gab das ein kippeliges Gefühl. Gefährlich ist das nicht und der erfahrene Fahrer kommt damit wahrscheinlich klar, mich hat es extrem verunsichert! Es wird auch während der Veranstaltung nicht besser. Ich empfehle beim ersten Rennstreckentraining neue Reifen aufziehen zu lassen. Du kannst die alten Reifen ja aufheben und später wieder montieren.

In der Regel ist bei allen Veranstaltungen ein Reifenservice vor Ort. Du kannst auch da noch neue Reifen kaufen.

Inzwischen ist es bei mir gerade andersrum, weil ich mehr auf der Rennstrecke als auf der Straße fahre, ist jetzt der Reifen auf der Flanke stärker abgefahren als in der Mitte. Auch hier muss ich darauf achten den Reifen rechtzeitig zu wechseln.

Du musst selbstverständlich den Reifeninnendruck korrekt einstellen. Für das Fahren auf der Rennstrecke kannst du ein bis zwei Zehntel unter den vom Hersteller vorgegeben Druck gehen. Du stellst ja den Reifendruck bei kaltem Reifen ein, deshalb soll der Druck etwas geringer sein. Der Reifen wird auf der Rennstrecke sehr warm und dann steigt der Innendruck. Ist der Druck zu hoch, dann wird die Auflagefläche des Reifens unnötig verkleinert.

Weiterhin muss eine gepflegte und gut gespannte Kette sichergestellt sein. Achte darauf, dass sich alle Kettenglieder gut bewegen lassen und Ritzel und Kette nicht verschlissen sind. Bringe das richtige Maß an Kettenfett auf. Die Kette muss bei belastetem Motorrad noch ein Spiel von 1 bis 2 cm haben. Am Besten du bittest jemanden sich auf das Motorrad zu setzen, wenn du die Kettenspannung prüfst.

Überprüfe die Bremsbeläge auf ausreichende Belagstärke, auch sie werden auf der Rennstrecke stärker beansprucht. Die Bremsflüssigkeit tauschst du ja eh turnusmäßig, dann musst du dir darum keine Sorgen machen.

Bei deinem gut gewarteten Motorrad musst du dir auch um das Spiel des Lenkkopflagers keine Sorgen machen. Das ist ewas, was bei der Maschinenabnahme eventuell geprüft wird. Man weiß ja nie, mit was für Motorrädern manche Teilnehmer da ankommen.

Ich habe noch vorher das Motorenöl gewechselt. Es war schon einige Zeit drin und ich wollte sicher gehen, dass bei den höheren Drehzahlen kein unnötiger Verschleiß im Motor meines Schätzchens auftritt.

Das Fahrwerk kannst du vor Ort einstellen lassen. Ich habe es versucht vorher alleine einzustellen. Bei der Veranstaltung ist immer ein Rennservice vor Ort, den du mal draufschauen lassen kannst. Die Jungs stellen dir die Federvorspannung und die Dämpfung richtig ein, wenn du das möchtest, da brauchst du zu Hause nichts vorbereiten.

Ich war mit der Rastenposition meiner Trixie unzufrieden, deshalb habe ich eine andere Rastenanlage von LSL montiert, damit die Füße weiter hinten sind. Das ist sicherlich keine übliche Vorbereitung für ein Rennstreckentraining, mir hat es aber geholfen mich auf dem Motorrad etwas wohler zu fühlen.

Mir ist aufgefallen, dass einige Teilnehmer mit Tourenmotorrädern auf der Rennstrecke mit den Rasten aufgesetzt haben, weil sie das Hanging Off noch nicht beherrscht haben und deshalb mit relativ großer Schräglage gefahren sind, obwohl die Geschwindigkeit noch moderat war. Wenn du so ein Motorrad besitzt, solltest du eventuell über Klappfußrasten nachdenken.

Als ich mit der TRX bei der Maschinenabnahme vorgefahren bin, sagte der nette Kollege von der Maschinenabnahme:

„Du solltest die Scheinwerferkabel abklemmen, damit die Plastikscheibe der Scheinwerfer nicht beschädigt wird, weil der Scheinwerfer hinter der Klebefolie heiß wird.“

Ich sagte: „Brauche ich nicht, meine Scheinwerferscheibe ist aus Glas und außerdem kann ich das Licht doch einfach ausschalten.“

„Was, bei dem Motorrad geht das Licht noch auszuschalten? Mach das schöne alte Schätzchen bloß nicht kaputt!“

Also wenn du ein modernes Motorrad hast, dann solltest du vor dem Start noch den Stecker vom Scheinwerfer abziehen.

Übrigens: Ich habe das Schätzchen dann doch kaputt gemacht. Wie das passiert ist, kannst du weiter unten lesen.

Welche Motorräder sind für die Rennstrecke geeignet?

Ich habe, glaube ich, inzwischen schon so ziemlich alle Typen von Motorrädern bei diesen Veranstaltungen gesehen. Besonders bei den Fahrsicherheitstrainings und Kurvenschulen ist fast alles anzutreffen.

Es ist beeindruckend wie manche Motorradfahrer mit riesigen Dickschiffen um den Kurs wedeln. Meiner Meinung nach sollten Chopper und Hard Enduros aus Rücksicht auf die anderen Teilnehmer nicht auf der Rennstrecke fahren. Bei den instruierten Trainings wird nur auf Geraden und wenn alles sicher ist überholt. Da staut sich dann hinter so einer Chopper Gruppe der Verkehr schon ganz schön auf und das macht dann keinen Spaß. Glaube mir, ich habe es erlebt.

Sportler und Naked Bikes sind sehr gut geeignet. Wichtig ist, dass du dich auf deinem Motorrad wohl fühlst. Du kannst bei den Classic Superbikerennen sehr gut sehen, dass man auch auf einem Motorrad mit breitem Lenker und aufrechter Sitzposition sehr schnell fahren kann.

BMW S1000RR vor der BMW S1000R
copyright RacePixx.com

Hier auf dem Bild siehst du mich mit der BMW S1000RR und den Instruktor mit der BMW S1000R. Du kannst mir glauben, der fährt mir so auch noch hinterher, wenn ich mit dem Knie tief auf dem Boden bin.

Die TRX hatte für mich zwei Nachteile, die mich dazu bewogen haben mir eine Doppel-R zu kaufen und mir die Trixie für die Straßen zu reservieren.

Gut, nicht jeder wird gleich in Erwägung ziehen für das erste Training ein neues Motorrad zu kaufen. Wenn dich der Rennvirus dann aber infiziert hat, dann kann das schon passieren. Ich hätte es vorher auch nicht geglaubt.

Mit ihren 83 PS hat die TRX wirklich wenig Leistung im Vergleich zu den anderen Motorrädern, mit denen ich gemeinsam auf der Strecke unterwegs bin. Beim Fahren in instruierten Gruppen führt das dazu, dass die Gruppe aus der Kurve heraus und auf der Geraden wegzieht. Auch wenn ich mal in der Kurve etwas abreißen lassen mußte, weil mir die Kurve nicht richtig gelungen ist, dann habe ich keine Möglichkeit auf der Geraden wieder aufzuschließen.

Hast du ein leistungsstarkes Motorrad, dann kannst du auf der Geraden einfach richtig Gas geben und du kommst wieder etwas dran. Das macht das Fahren in der Gruppe um einiges entspannter. Beim freien Fahren mit der TRX kommen auf der Geraden eh alle vorbeigeballert. Das macht auf die Dauer auch keinen Spaß.

Das zweite Thema sind die Assistenzsysteme. Gerade als Rookie auf der Rennstrecke habe ich kein Gefühl für das Limit beim anbremsen. Deshalb bin ich mit der Bremse viel zu vorsichtig und verschenke viele Meter Bremsweg.

Das hat mir auf dem Sachsenring den Sturz eingebracht. Ich hatte das Gefühl zu schnell für die Kurve zu sein, habe mich aber nicht getraut richtig an die Bremse zu gehen, worauf ich dann aufs Gras rausgefahren bin und auf dem feuchten Gras bei schon langsamer Geschwindigkeit weggerutscht und umgefallen bin. Dabei habe ich mir meine schöne Originalverkleidung zerbrochen, die es als Ersatzteil nicht mehr zu kaufen gibt. Aber die Geschichte erzähle ich mal in einem anderen Post.

Die BMW hat ein Kurven ABS. Das wissend, hatte ich in ähnlichen Situation später den Mut einfach stärker an der Bremse zu ziehen und damit immer noch gut durch die Kurve zu kommen. Für einen Neuling wie mich macht das Wissen einen elektronischen Helfer an Bord zu haben, einen großen Unterschied. Bevor man sich an das Limit herantastet, muss man erstmal überhaupt in die Nähe des Limits kommen und dabei hilft mir das ABS ungemein. Auch heute ist mit der BMW die Anzahl von ABS Interventionen noch eher selten, die BMW dokumentiert das. Das bedeutet, obwohl ich versuche so stark wie möglich zu bremsen, bin ich immer noch diesseits des Limits. Andererseits hast du bei Bremsübungen die Möglichkeit den Unterschied zwischen einer Bremsung mit ABS und einer mit ausgeschaltetem ABS zu erfahren. Bei mir sind das immer noch mehr als 10 Meter, weil ich einfach den Druckpunkt kurz vorm Blockieren nicht perfekt finde und die Bremse immer wieder aufmachen muß. Das ABS kann das einfach viel besser.

Anders ist das bei der Traktionskontrolle. Bei der 1000er kann ich zwar aus der Kurve heraus ganz schön am Kabel ziehen, dafür habe ich aber pro Runde einige Einträge der Traktionskontrolle, die ohne ihr Eingreifen mit großer Wahrscheinlichkeit in Highsidern resultiert hätten.

Es gibt faktisch keine wirklich schlechten Motorräder mehr. Selbst mit meiner TRX ist der Könner verdammt schnell unterwegs. Allerdings bin ich der Meinung, dass sich der Rennstreckenneuling mit einem leistungsstarken, modernen Motorrad mit ABS und Traktionskontrolle am sichersten auf der Rennstrecke bewegen kann.

Da gibt es aber ein Ausnahme. Ich habe von kleinen Frauen erzählt bekommen, dass sie sich mit den großen, schweren 1000ern nicht wohl fühlen. Dazu kann ich leider aber keine guten Ratschläge geben, da ich mit meinen 1,80m und 90kg leider kein guter Testkandidat bin.

Bleibt noch die Frage, welches Motorrad das Richtige ist.

Dazu kann ich nur empfehlen, so viele unterschiedliche Motorräder wie möglich Probe zu fahren. Das richtige Motorrad ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Ich bin eine ganze Reihe Motorräder Probe gefahren, auf die BMW S1000RR habe ich mich draufgesetzt und auf Anhieb wohl gefühlt. Einige Modelle waren auch gut, auf anderen habe ich mich auf Anhieb unwohl gefühlt. Ich kenne aber auch Leute, die an der BMW gar keinen Gefallen finden. Das musst du auf jeden Fall selber ausprobieren, nutze die Möglichkeit von Probefahrten bei den Motorradhändlern.

Wir sehen uns auf der Rennstrecke!

Ich hoffe, ich habe dir Mut gemacht ein Rennstreckentraining auszuprobieren. Hier findest du noch die Links zu den Veranstaltern, bei denen ich gefahren bin und gute Erfahrungen gemacht habe:

Schreib mir doch bitte im Kommentar, wie es dir auf der Rennstrecke gefallen hat.

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