Mein Traum – Mit dem Oldtimer Motorrad bei der Hockenheim Classic fahren

Leute, Leute war ich aufgeregt, es soll jetzt endlich losgehen! Ich werde mit der Oldtimer Rennmaschine, meiner Yamaha TZ250, beim Classic Rennen auf dem Hockenheimring fahren.

Lang habe ich mich vorbereitet. Ich habe seit Jahren jede Hockenheim Classic als Zuschauer besucht. Ich habe mir die BMW gekauft und mit ihr Rennstreckentrainings mit und ohne Instruktion absolviert. Nun ist der Tag gekommen, an dem ich mit der Yamaha Rennmaschine meine ersten Runden auf einer Rennstrecke drehen werde.

Die Hockenheim Classics sollten eigentlich der Höhepunkt des Jahres werden, auf den ich mich die ganze Saison vorbereiten wollte. Jetzt ist es, wegen dem blöden Corona Virus, die erste und einzige Veranstaltung der DHM in diesem Jahr. —- Und ich habe mich angemeldet. —-

Ich bin ganz schön aufgeregt.

  • Hoffentlich funktioniert das Motorrad!
  • Hoffentlich komme ich mit ihm klar!
  • Hoffentlich bin ich nicht so langsam, dass ich die anderen Fahrer behindere und sie sauer auf mich sind.

Hektik bei der Anreise ist kein gutes Omen.

Dieses Jahr haben sehr viele Fahrer ihre Teilnahme angemeldet, deshalb hat der Veranstalter die Klassen auf mehr Läufe aufgeteilt. Üblicherweise fahren die Klassen A, R, M, S und F in einem Lauf. In diesem Jahr fahren jeweils A + R und M + S + F in einem eigenen Lauf.

Wie es der Zufall so will, ist der Trainingslauf der Klassen A + R der allererste Lauf der Veranstaltung, schon am Freitag morgen um 9. Ich fahre in der Klasse R — Post Classic GP 1968 bis 1983 — und damit bin ich gleich als Erster dran. Das bedeutet schon mal Hektik.

Ich hatte mir vorgenommen am Donnerstag Nachmittag loszufahren, um wenigstens noch einen Platz im Fahrerlager zu beziehen. Das Fahrerlager öffnet ja schon am Donnerstag Mittag. Das hat aber nicht geklappt, weil absehbar war, dass ich nicht rechtzeitig Feierabend machen kann. Schweren Herzens habe ich entschieden, am Abend direkt nach Hockenheim ins Hotel zu fahren, dort zu übernachten und früh zeitig ins Fahrerlager zu fahren.

Der Autoanhänger mit dem Motorrad und den anderen Sachen muss also schon am Wochenende vorher fertig verstaut werden, damit ich am Donnerstag nach der Arbeit gleich losfahren kann.

Autoanhänger mit Rennmotorrad und Utensilien
So sieht der gepackte Anhänger aus.

Das Motorrad steht in der Mitte des Anhängers. Vorn die Benzinkanister und ein Koffer mit Ersatzteilen. Seitlich die Werkzeugkoffer, weiteres Zubehör, noch mehr Ersatzteile und natürlich die Campingstühle. Hinten quer die Auffahrrampe und die Motorradständer. Alles mit reichlich Spanngurten befestigt, damit alles schön an seinem Platz bleibt. Die Helme, Kombi, Stiefel und der Rest fahren im Auto mit. Eigentlich sollte da ja auch noch ein Pavillon dabei sein, der vor Sonne oder Regen schützt. Den habe ich mir aber noch nicht gekauft. Es muss dieses Mal nochmal ohne gehen.

Am Donnerstag ging es dann los, ich hatte den ganzen Tag ein Meeting und es wollte und wollte nicht zu Ende gehen. Ich sitze wie auf Kohlen! Endlich, so gegen 18 Uhr, ist Schluss. Ich fahre direkt zur Garage, um den Anhänger anzuhängen. Die nächste Etappe ist Heilbronn, wo ich meinen Sohn aus dem Studentenwohnheim abhole, er wird dieses Wochenende mein Betreuer sein. Heilbronn liegt ja glücklicherweise auf dem Wege nach Hockenheim. Als wir ankommen ist es halb elf.

Die Rezeption im Achat Hotel in Hockenheim ist noch besetzt. Das ist bei Hotels dieser Preiskategorie nicht selbstverständlich. Das Personal ist freundlich und hilfsbereit, der Preis ist sehr gut, das Zimmer ok und es gibt einen riesigen Parkplatz, auf dem ich mühelos das Auto mit dem Anhänger abstellen konnte. Das Hotel kann ich empfehlen!

Im Umfeld des Hotels gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten noch etwas zu essen. Wir entscheiden uns für Mc Donalds, wir können dahin laufen und es geht schnell. Irgendwie bin ich kaputt. Ich will nur noch ins Bett.

Das Bild ist etwas finster, aber es war halt eben auch spät am Abend.

Auto mit Anhänger auf dem Parkplatz vor dem Hotel
Auto mit Anhänger auf dem Parkplatz vor dem Achat Hotel

Früh schnappen wir uns das Lunchpaket, welches ich als Ersatz für das Frühstück bestellt hatte und machen uns auf den Weg zur Rennstrecke. Alles um Zeit zu sparen.

Die Fahrt geht quer durch die Innnenstadt von Hockenheim. Winklige, schmale Straßen, rechts vor links. Gott sei Dank, ist der Hänger klein! Ich will mir gar nicht vorstellen, da mit einem Wohnmobil durchzufahren.

Im Fahrerlager angekommen, ging die Suche nach eine Stellplatz los. Alle anderen sind offensichtlich schon am Vortag angereist. Das Fahrerlager war rappelvoll! Also Auto stehen gelassen und alle Reihen abgelaufen.

In der vorletzten Reihe fand ich, nach langem suchen, schließlich noch ein kleines Plätzchen am Rande des Weges, an dem ich mein Anhängerchen unterbringen konnte. Ich hätte einen Pavillon gar nicht aufstellen können, also war es gut, dass ich gar keinen erst mitgeschleppt habe.

Im Fahrerlager am Hockenheimring
Ein kleines Plätzchen im Fahrerlager muss reichen.

Soweit sind wir nun schon mal gekommen. Jetzt geht es Schlag auf Schlag.

Mein Betreuer-Sohn löst alle Spanngurte und fängt an, den Anhänger auszuladen, während ich schon zur Fahrerbesprechung hetze.

Als ich von der Fahrerbesprechung zurück bin, ist bis auf das Motorrad schon alles ausgeladen. Jetzt muss ich noch zur Maschinenabnahme.

Aber vorher natürlich noch tanken. Ich habe noch Gemisch vom letzten Jahr, will aber nicht riskieren, dass es sich vielleicht irgendwie entmischt hat. Also nochmal schnell neu anmischen. Das Castrol XR77 Zweitaktöl im Messbecher abgemessen, dann Superbenzin in die Kanne und ordentlich geschüttelt, danach ab in den Tank. Das hätte ich auch zu Hause schon machen können!

Motorrad vom Anhänger und quer durch das ganze Fahrerlager zur Maschinenabnahme geschoben. Das ist weit! Die Maschinenabnahme findet in der kleine Garage vor den Vorstart statt.

Weg vom Fahrerlager zum Vorstart
Das ist ein ganz schön langer Weg, wenn man das Motorrad schiebt!

Die Maschinenabnahme selber geht ruck zuck!. Einmal alles durchgesehen und schon klebt der Sticker an der Verkleidung.

In der Zwischenzeit hat Julian die Helme abnehmen lassen.

Jetzt will ich doch auch sicher gehen, dass die Yamaha anspringt. Sie ist ja seit letztem Jahr nicht mehr gelaufen. Wir schieben sie auf dem Vorstartplatz an. Natürlich läßt sie sich bitten. Als sie endlich läuft, bin ich das erste Mal durchgeschwitzt. Ich bin erleichtert! – Sie läuft. –

Zurück am Stellplatz suche ich meine Klamotten aus dem Auto, als mir einfällt, dass ich vergessen habe mir einen Transponder für die Zeitnahme abzuholen. Also stiefele ich wieder den ganzen Weg quer durchs Fahrerlager bis zur Maschinenabnahmen und hole mir einen Transponder.

Wo hänge ich das blöde Ding jetzt hin? Erster Versuch: an das untere Gabelrohr.

Nachdem er befestigt ist — die Überprüfung. Sch…e er schleift an der Verkleidung. Es muss ein anderer Platz gefunden werden. Ich entscheide mich für die Telegabel, oben zwischen den Gabelbrücken. Ein Platz zum Finger brechen. Julian fummelt die Kabelbinder fest, während ich mich in die Lederkombi reinschäle.

Die Zeit für den Trainingslauf rückt immer näher. Es ist ziemlich kalt, aber mich schwitzt schon das erste Mal, bevor es überhaupt losgegangen ist.

Drama: erste Kurve – erster Sturz!

Also los! Auf zum freien Training.

Julian schiebt an und nach gefühlt 200 Metern springt die Yamaha an. Aus irgend einem Grund hängen sich permanent die Bowdenzüge für den Choke aus. Beim Einlenken verfangen sie sich an der Gabelbrücke und springen dann aus der Aufnahme.

Aber o.k. jetzt läuft sie ja. Ich fahre zum Vorstart. Der erste Gang ist so lang übersetzt, dass Julian nicht hinterher kommt. Also fahre ich schon mal vorneweg.

Als ich am Vorstart ankomme, sind alle anderen schon auf der Strecke.

Ich bin ganz schön aufgeregt, habe aber gar keine Zeit mehr nachzudenken, denn ich werde gleich durchgewunken.

Also fahre ich langsam durch die Boxengasse. Ich beschleunige auf die Strecke heraus und denke mir: „Laß es langsam angehen!“ Erstmal Gefühl fürs Motorrad bekommen.

Ich fahre auf die Rechtskurve zur Parabolika zu und bremse, um die Wirkung der Bremse zu testen. Alles ist gut. Die Bremse bremst, kein Vergleich zur BMW, aber immerhin eine Bremswirkung ist da.

Ich strecke das Knie raus, lege mich in die Kurve und ……..

…… rummms, scharrr, knirsch, …….. liege ich auf der Seite!

Mir ist einfach das Vorderrad weggerutscht! Wie auf Glatteis!

Mannomann! Was war das denn???? Ich war doch überhaupt nicht schnell!!!

Für die kalten und neuen Reifen war es offensichtlich immer noch zu viel. Am frühen morgen um 9 Uhr hatte es so zirka 15 Grad Lufttemperatur und der Straßenasphalt war kalt von der Nacht. Die Reifen dürften so um die 10° gehabt haben. Das vorsichtige Bremsen vor der Kurve hat da keinen Unterschied gemacht.

Als erstes den Schaden begutachten.

Der rechte Lenkerstummel ist nach unten gebogen, die rechte Fussraste ist abgebrochen und fehlt samt Bremshebel, die Verkleidung ist zerkratzt und die Scheibe gerissen. Ich bin stinkesauer und könnte direkt wegrennen! An weiterfahren ist nicht zu denken.

Also schiebe ich das weidwunde Teil in die Rettungsgasse und warte auf den Lumpensammler, der mich abholt und wieder zurück ins Fahrerlager bringt.

In der Kurve halten uns die Streckenposten an und drücken mir einige Teile in die Hand, die sie von der Strecke aufgesammelt haben. Die Fußraste mit dem Bremshebel dran, die abgebrochene Kugel vom Handbremshebel und einen kleine Pilz, von dem ich erst gar nicht weiß, wo der hingehört.

Vielen Dank, liebe Streckenposten! Ihr habt echt sehr gründlich gesucht! Ich habe alle Teile beisammen, um das Motorrad wieder fahrbereit zu machen. Der kleine Pilz ist der Stößel für die Betätigung des hinteren Bremszylinders durch den Fußbremshebel. Ohne ihn wäre das Wochenende jetzt vorbei gewesen.

Im Fahrerlager angekommen, stelle ich das Motorrad in die Wippe und bin weiterhin sauer! Ich mache mir immer noch Vorwürfe, wie blöd ich mich angestellt habe.

Ich hatte mir doch so fest vorgenommen, die schöne Origninal- Verkleidung unbeschädigt zu lassen, bis die Nachbauverkleidung, die ich für die wahrscheinlichen Stürze schon zu Hause liegen habe, lackiert und angebaut ist.

Das wars dann wohl mit der unbeschädigten Verkleidung.

Aber was sollst, klagen hilft ja auch nichts. Stürzen gehört zum Rennfahren und jetzt hat das Motorrad halt eben ein weiters Stück Geschichte erlebt.

Der Anfängerfehler lag sicherlich darin, dass ich glaubte, die vorgeschriebenen Profilreifen würden auch ohne Heizdecken funktionieren. Der Entschluss steht fest: Als nächstes werden Reifenwärmer angeschafft!

Bekomme ich das Ding wieder fahrbereit oder ist das Wochenende vorbei?

Aufgeben gibts nicht, jetzt wird repariert! Also erstmal den Schaden genau unter die Lupe genommen.

Ich war so sauer, dass ich gar nicht alles fotografiert habe, um es hier zeigen zu können.

Die schöne neue Schwabenlederkombi hat jetzt ihre ersten Sturzspuren. Das Meiste hat der rechte Knieschleifer abgefangen, die rechte Schulter und das linke Knie haben Schleifspuren am Leder. Aber dafür ist die Kombi ja da und sie hat ihren Job gut gemacht!

Naja, ich war ja auch nicht schnell, aber immerhin.

Schlechter sieht es beim Motorrad aus. Der rechte Lenkerstummel ist nach unten gedreht, das läßt sich beheben, die Schrauben müssen gelöst werden und dann kann ich ihn wieder nach oben drehen. Er ist zwar auch etwas verbogen, aber das kann erstmal so bleiben.

Genauso, wie die abgebrochene Kugel am Bremshebel. Mit etwas Tape die scharfe Bruchstelle überklebt und es geht erstmal so für heute. Ebenso wird mit der gerissenen Verkleidungsscheibe verfahren, etwas Tape geklebt und dann kann es erstmal für heute so bleiben.

Das Vorderrad ist schief. Also die Gabelbrücken gelöst und alles durchgerüttelt. Nach dem Entspannen ist alles wieder gerade.

Jetzt wird es kniffelig. Die rechte Fussraste ist abgebrochen und auf ihr sitzt der Bremshebel. Da muss eine Neue dran. Ich weiß, dass ich eine Fussraste im Teilesatz mit dem Motorrad mitbekommen habe. Sie sieht zwar anders aus, als die originale Raste, aber sie wird schon passen.

Wo ist die bloß? Ich habe alle meine Kisten und Schachteln durchgesucht, aber die Fußraste war nicht zu finden. —– Konnte ja auch nicht, —- denn ich Spezialist habe sie zu Hause ins Regal gelegt. Wieso macht man sowas? Allen Krempel habe ich mitgeschleppt, sogar die total verschlissenen, alten Kettenblätter habe ich dabei, aber die Fußraste, die ich brauchen werde, lege ich raus!

Was kann ich mir einfallen lassen? Erstmal beruhigen und sacken lassen.

Da kommt mir die Idee! Die Fußrasten sind symmetrisch und die linke ist noch in Ordnung. Ich kann also die linke Fussraste nach rechts bauen. Auf der linken Seite ist kein Hebel, da ist es nicht so schlimm, wenn die Rast kürzer ist.

Ich baue also die linke Fussraste ab und montiere sie mit dem Bremshebel (und dem kleinen Pilz, den mir die Streckenposten aufgelesen haben) auf die rechte Seite. Passt.

Jetzt muss ich noch das Problem lösen, dass der abgebrochenen Fussraste das Loch mit dem Gewinde fehlt, um sie fest zu schrauben. Die Akkubohrmaschine und die Gewindebohrer liegen natürlich auch zu Hause im Regal.

Also stecke ich mir die Raste in die Hosentasche und pilgere erstmal durchs Fahrerlager. Mal schauen, was mir einfällt.

Als erstes komme ich an dem Stand vorbei, an dem es Reifen und Teile zu kaufen gibt. Es gibt auch Fussrasten. Allerdings moderne, mit einem Befestigunggewinde in der Mitte, die passen so nicht. Der nette Mann verkauft mir eine Raste für 20 Euro und gibt mir noch eine Schraube und Unterlegscheiben mit. Ich muss mir jetzt nur noch einfallen lassen, was ich als so eine Art Hülse nehmen kann, um die Raste am Oldtimer fest zu bekommen.

Wir schlendern weiter durch das Fahrerlager. Im Bereich des Seitenwagen- Fahrerlagers beobachte ich eine Crew, die an einem Seitenwagengespann schraubt. Die machen das nicht zum ersten Mal und haben einen ansehnlichen Werkstattschrank dabei. Spontan entschließe ich mich zu fragen, ob sie ein Bohrmaschine und einen Gewindebohrer haben.

Die Sportfreunde kommen aus Belgien und sind sehr freundlich, hilfsbereit und sprechen englisch.

Ein Mechaniker bohrt das Kernloch in die Raste, ein anderer sucht mir einen Gewindebohrer raus, mit dem ich dann ein M6 Gewinde in das Loch schneide.

Fussraste mit Sturzspuren
Die abgebrochene Fussraste mit abgeschliffenem Kopf und neuem Befestigungsgewinde ist jetzt auf der linken Seite.

Danke, Leute, ihr habt mir den Tag gerettet! Jetzt kann ich das Motorrad wieder fahrbereit machen.

Pflichttraining- schaffe ich die Pflicht?

Es bleibt sogar noch etwas Zeit, um am Kiosk eine der legendären Hockenheimer Feuerwürste zu verspachteln. Das Wetter ist inzwischen richtig warm geworden. Die Temperatur liegt jenseits der 25°C, ich hoffe, es ist jetzt ausreichend warm, damit die Reifen dieses mal Grip haben.

Um in die Wertungsläufe zu gelangen, muss ich laut Reglement zwei Runden, 5 Minuten Fahrzeit und eine gezeitete Runde schaffen. Also bloß nicht wieder die Maschine in der ersten Runde wegwerfen. Langsam und vorsichtig fahren, dafür aber ankommen.

Ich bin rechtzeitig am Vorstart und warte bis es losgeht.

Die Yamaha findet keinen Leerlauf. Obwohl sie inzwischen warm ist, geht sie aus, wenn ich das Gas loslasse. Das war letztes Jahr nicht so, da habe ich wohl was verstellt. Ich stehe also am Vorstart und halte das Motorrad mit Gasstößen am Leben.

Ravenol Kurve

Erste Kurve ist die Ravenolkurve, die ist kein Problem, da kann man schnell durchfahren.

Achtung, Einfahrt in die Parabolika, dass ist die Kurve, wo es mich heute früh erwischt hat, jetzt bloss rollen lassen!

Uff, — ist gut gegangen —-

Diese Kurve wird heute nicht mehr mein Freund.

Die Parabolika selbst, ist mit der 250er wie geradeaus. Dann kommt die Querspange, welche die Spitzkehre abkürzt und direkt zur Mercedes Tribüne führt. Diese Variante bin ich vorher noch nicht gefahren, ich muss mich erst mal zurecht finden. Die Kurve hat zwei Scheitelpunkte, läßt sich aber in einem Bogen fahren.

Dann die Einfahrt ins Motodrom, durch die Sachskurve, Südkurve und über Start und Ziel.

Auf der Start und Ziel Geraden

Siehste, geht doch! Eine Runde ist schon mal geschafft. Das macht Mut. Jetzt noch eine.

Ich habe mit dem Motorrad meine Schwierigkeiten.

In welchem Gang bin ich denn beim runterschalten? Ich habe das Gefühl, die Schaltung hakt und ich bekomme die Gänge nicht rein. Beim Bremsen traue ich mich nicht richtig. Zu tief sitzt die Angst das Vorderrad zu überbremsen, obwohl die Bremse sicher keine Bäume ausreist. Das Gefühl fürs Vorderrad fehlt komplett. Also lieber mal reinrollen lassen.

Ich nehme zeitig das Gas weg und, wie nicht anders zu erwarten, bin ich im Scheitelpunkt viel zu langsam.

Das Rausbeschleunigen findet auch nicht statt. Ich drehe am Griff und nichts passiert. Der Motor nudelt sich mühsam röchelnt in der Drehzahl hoch und schlägt bei 8000 U/min schlagartig in hohes singen über. Dann geht die Post ab, aber da kommt dann schon die nächste Kurve.

So spule ich eine Runde nach der anderen ab. Andere Fahrer kommen an mir vorbeigeflogen und verschwinden in der nächsten Kurve.

Was hatte ich eigentlich erwartet? Kam, sah und siegte? Uwe, bleib mal auf dem Boden, es ist deine erste Fahrt!

Als die Zielflagge fällt, bin ich heilfroh, dass ich echt das ganze Training über die Runden gekommen bin.

Zieldurchfahrt nach dem Pflichttraining
Zielflagge nach dem Pflichttraining

Das wars dann für heute, die Wertungsläufe finden am Sonnabend statt. Also Feierabend!

Nein halt! Natürlich muss ich jetzt noch auf die Zeitentabelle schauen. Es interessiert mich ja schon, was da steht: Vorletzter.

23 Sekunden schneller als der Letzte. Bei dem war sicherlich auch was kaputt. 3 Sekunden langsamer als die beiden vor mir.

In Anbetracht der Umstände bin ich ganz zufrieden. Es war mein erster kompletter Turn mit der Yamaha in Hockenheim. Was will ich mehr? Von hier an kann es nur noch besser werden.

Neuer Tag, neuer Versuch. Werde ich mich heute verbessern?

Am Samstag früh sind wir im 4. Lauf dran. Es ist 10:15 Uhr und die Sonne strahlt, es ist viel wärmer als gestern!

Ich nehme mir vor, da weiter zu machen, wo ich gestern aufgehört habe. Am Motorrad schraube ich erstmal nicht weiter rum. Ich bin froh, dass es überhaupt soweit läuft.

Auf dem Weg zum Vorstart versuche ich den Motor zu starten. Er springt nach etwas schieben an und dann will er überhaupt nicht mehr. Die Choke Bowdenzüge spinnen mal wieder, das Motorrad stinkt nach Benzin, nur anspringen will es nicht. Mir hängt schon die Zunge raus vor Anstrengung.

Als ich erschöpft kurz innehalte, tippt mir jemand auf die Schulter: „Mach mal den Benzinhahn zu, die ist abgesoffen!“

Da hätte ich auch selber drauf kommen können. Aber wie das so ist, in der Hektik fallen einem manchmal die einfachsten Dinge nicht ein.

Nächster Versuch und die Maschine springt an. Jetzt Leerlauf einfädeln, den Benzinhahn wieder aufmachen, ohne das Gas los zu lassen, damit der Motor nicht wieder ausgeht. In der Zwischenzeit erklärt der nette Mann meinem Betreuer-Sohn Julian, dass er früher Zweitaktmotoren gebaut hätte und dass der Trick mit dem Benzinhahn immer funktioniert. Schade, ich habe ganz vergessen ihn nach dem Namen zu fragen.

So, dann mal ran an den Vorstart und mit dem ganzen Rudel auf die Strecke.

Was soll ich lange erzählen, es war genauso, wie am Vortag im Pflichttraining. Das rumrühren im Getriebe, das nudeln des Motors aus der Kurve …..

Ich habe mir gedacht: Jetzt mach mal keine Hektik! Fahre einfach deine Runden und sieh, dass du ankommst.

Der Motor läuft genauso wie letztes Jahr beim Bergrennen in Zschopau. Unter 8000 Umdrehungen kommt nichts, danach geht die Post ab. Letztes Jahr war die Batterie vom Power Valve tot. Ich habe mir über den Winter eine Neue besorgt und eine Anzeige gebaut, die mir während der Fahrt zeigen soll, ob das Power Valve auf- und zu geht. In der Garage hat das alles funktioniert.

Da habe ich Dussel doch die Lampe so angebaut, dass sie, in Rennhaltung geduckt, genau hinter dem Bremsbehälter verschwindet. Ich muss also drumherum schauen und stelle fest, dass sich offensichtlich nichts bewegt. Das Power Valve geht nicht zu. Das muss ich weiter untersuchen.

Am Ende der 20 Minuten bin ich zufrieden. Immerhin bin ich rumgekommen. Ich bin aber auch ganz schön erschöpft.

Durchschnaufen nach dem Turn.

Jetzt der Blick auf die Zeiten. Erstaunlicherweise bin ich genauso schnell gefahren wie im Pflichttraining. Die schnellste Runde war eine Sekunde langsamer, aber über alle Runden war es ähnlich.

In diesem Lauf bin ich Letzter. Der Kollege, der gestern hinter mir war, ist heute nicht dabei. Vom Vorletzten trennt mich heute eine halbe Sekunde, vom drittletzten sind es 2 Sekunden. Ist eigentlich auch egal, aber so ein bisschen ehrgeizig bin ich ja trotzdem.

Jetzt wird geschraubt!

Der zweite Wertunglauf findet um 17:45 Uhr statt. Ich habe viel Zeit tot zu schlagen und beschließe jetzt doch mal etwas zu schrauben.

Als erstes kommen die Choke Bowdenzüge dran. Ich befestige sie mit einem Kabelbinder so, dass sie sich nicht mehr an der Lenkkopfmutter verfangen können. Sie sind aber eigentlich zu lang, ich kann die Einstellschraube gar nicht weit genug herausdrehen, so dass sie nicht aus der Aufnahme springen, wenn ich den Hebel loslasse. Das muss ich zu Hause kürzen!

Jetzt mal den Leerlauf einstellen. Die Leerlaufschrauben der beiden Vergaser sind unterschiedlich weit eingedreht. Ich könnte wetten, das ich sie gleich eingestellt hatte. Ich mache ein Grobjustierung. Auch das muss ich zu Hause nochmal in aller Ruhe fein einstellen.

Die Kontrolle der Power Valve Schieber ergibt, dass die Bowdenzüge und die Schieber leicht gehen. Die Batterie ist auch voll. Trotzdem ruckt der Motor nur kurz an, aber zieht nicht durch. Komisch, das hat zu Hause noch funktioniert. Hier kann ich jetzt nicht mehr machen, so werde ich wohl weiterfahren müssen.

Die Kerzen sind sehr dunkel, aber da der Motor ja auch nicht richtig rund gelaufen ist, lasse ich die Düsen erstmal so.

Die Schaltung funktioniert einwandfrei. Mir wird bewußt, dass ich immer schon im ersten Gang war, als ich noch weiter runterschalten wollte. Der erste Gang ist viel, viel länger übersetzt, als ich das gewohnt bin.

Ich beschließe für den nächsten Lauf immer bewusst vor jeder Kurve in den ersten Gang runter zu schalten und dann wieder hoch, so wie es notwenig ist.

Für die Zukunft brauche ich kürzere Übersetzungen. Das, was jetzt drauf ist, ist für meinen Grundspeed und mein Gewicht zu lang.

Die Federung erscheint mir extrem weich. Ich befestige einen Kabelbinder am Telegabelrohr, damit ich sehen kann, wie weit es beim Bremsen eintaucht.

Letzer Lauf – Wie geht der Tag wohl zu Ende?

Um 17:45 Uhr ist es nun so weit. Ich muss sagen, das Warten hat mich schon etwas zermürbt. Der Tag war lang. Aber jetzt geht es nochmal los.

Um es kurz zu sagen, ich habe mich diesen Turn richtig gut gefühlt. Der Trick mit dem ersten Gang hat funktioniert, das Maschinchen hing gut am Gas und ich konnte mit singendem Motor aus den Kurven rausbeschleunigen. Die Kurveneinfahrten fühlten sich immer noch unsicher an, aber in der Sachskurve war das Knie da wo es hingehört, auf dem Boden.

Ich hatte das Gefühl, dass ist jetzt das, was heute geht. Schneller wird es heute nicht mehr.

In Runde 7 schaue ich auf die Uhr über Start und Ziel, der Turn muss doch bald zu Ende sein, ich bin fix und alle! Ich denke: Die eine Runde schaffst du noch!

Wenn man schon so denkt, dann sollte man lieber etwas Gas rausnehmen.

In meiner „Lieblingskurve“, der Einfahrt in die Parabolika, ist es dann wieder passiert, ich weiß ich auch nicht warum, irgendwie ist mir am Kurvenausgang die Straße ausgegangen. Ich stand auf einmal im Kiesbett.

Ich wollte eigentlich gleich weiterfahren, weil ja nichts passiert ist. Aber plötzlich funktionierte alles auf einmal nicht mehr. Als ich den Lenker einschlage, heult der Motor auf. Der Gaszug hat sich verklemmt. Unter dem Motor ist eine riesige Benzinpfütze. Wo kommt das denn auf einmal her?

Na gut. Dann also wieder auf den Lumpensammler warten und hoffen, dass sich mein Betreuer-Sohn nicht unnötige Sorgen um seinen alten Herren macht. Er wird sich sicherlich wundern, wo ich so lange bleibe.

Ach so, falls es dich interessiert. Die schnellste Runde war 3 Sekunden schneller als im ersten Wertungslauf und die Runden waren viel konstanter. Damit war ich jetzt da, wo ich mich im Augenblick sehe. So im Bereich der letzten 4 bis 5 Fahrer.

Finale Erkenntnis

Im Fahrerlager angekommen bleiben mir noch zwei neue Erkenntnisse:

Der Kabelbinder am Telegabelrohr ist ganz nach oben geschoben, die Gabel hat durchgeschlagen. Es ist also gar kein Wunder, dass ich mich am Kurveneingang nicht wohl gefühlt habe und kein Gefühl fürs Vorderrad entwickeln konnte. Die Gabelfeder muss an mein Körpergewicht angepaßt werden.

maximaler Einfederweg der Tolerabel

Die Zündkerzen sind kohlrabenschwarz, obwohl der Motor gut gedreht hat. Ich muss mich um die Vergaserdüsen kümmern.

Ich habe jetzt eine Plan, was über den Winter alles verbessert werden muss. Hier meine Liste:

  1. Vordergabel härter abstimmen
  2. Vergaser Hauptdüsen oder Powerjet verkleinern
  3. Choke Bowdenzüge kürzen
  4. Leerlauf einstellen
  5. Neue Fußrasten anbauen
  6. Lenkerstummel überprüfen
  7. Neue Verkleidung anpassen und lackieren lassen
  8. Power Valve reparieren
  9. Reifenwärmer kaufen

Aber jetzt geht es erstmal wieder nach Hause. Bis alles eingepackt ist, wird es schon langsam dunkel.

Für mich waren diese zwei Tage anstrengend und ein Wechselbad der Gefühle. Aber genau das macht für mich den Reiz aus. Etwas hinbekommen, was man sich vorgenommen hat. Seine eigenen Grenzen austesten!

Und nicht zuletzt war es ein wunderschönes Vater – Sohn Wochenende! Dieses Erlebnis schweißt zusammen, wir werden uns noch lange daran erinnern.

Wie hat dir meine Geschichte gefallen?

Es ist keine Geschichte vom Sieger oder Weltmeister. Es ist die Geschichte von einem, der sich seinen Jugendtraum erfüllt.

Schreib mir doch bitte im Kommentar dein Feed Back zu meinem Bericht. Wie fandest du ihn? Kann ich was verbessern?

Wenn es dir gefallen hat, folge doch meinem Blog. Dann verpaßt du meine nächsten Artikel nicht.

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